Diese Woche war Weltstillwoche, eine von der World Alliance for Breastfeeding Action organisierte Aktionswoche. Sie hat als Ziel, das Stillen als normale und artgerechte Ernährungsform in den Mittelpunkt zu rücken.
Diese Aktion findet seit 1991 statt und ganz ehrlich: ich hab es nicht einmal mitbekommen. Aber letztlich fehlte mir ja auch ein Bezug dazu.
Diesen Bezug habe ich nun und er ist eine „sie“ und 4 Monate alt.

Lachend und mit Siegeszeichen – nicht selbstverständlich

Dieser Post ist völlig wertungsfrei gemeint. Ich persönlich stille aus voller Überzeugung, verurteile aber niemanden, der einen anderen Weg geht bzw. gehen muss. Was das Thema einem psychisch und körperlich abverlangt, habe ich selber erlebt.

Bei uns lief direkt am Anfang einiges falsch und wir mussten dadurch 12 Wochen immer wieder ziemlich kämpfen. Stillen wird einem gerne als so einfach und idyllisch verkauft. Aber für sehr viele Frauen ist es das nicht und dann scheitert es auch oft an einer vernünftigen Hilfestellung und einer mythenlosen Aufklärung. Die Frauen sind verunsichert und gestresst, weil es ja so einfach sein soll. Beides wirkt sich dann erst Recht wieder negativ auf das Stillen aus.

Im Krankenhaus habe ich selber gemerkt, dass man 10 Schwestern oder Hebammen fragen konnte und einem jede etwas anderes sagte und riet. Prima, wenn man Neu-Mama ist und es gerade mal hinbekommt, beim Kind hinten und vorne zu unterscheiden. Am Kompetentesten wirkten noch die Hebammen im Kreißsaal. Aber die sieht man dann ja nicht mehr auf der Station. Bei uns kam erschwerend dazu, dass Thordis eigentlich die gesamte Zeit im Krankenhaus schrie. Sie schrie in ihrem Beistellbett, sie schrie beim Wickeln, Anziehen, Untersuchen und sie schrie beim Anlegen.
Die linke Brust nahm sie, aber leider falsch. Diese Seite war schnell wund und blutig. Egal, Zähne zusammenbeißen und immer wieder anlegen um den Milcheinschuss anzuregen. Es tat schweinemäßig weh. Die rechte Seite verweigerte sie völlig, sie schrie wie am Spieß, wenn sie auf der linken Seite lag. Ich war völlig übermüdet, da ich ab Beginn der Wehen dann 36 Stunden fast nonstop wach war und davon ja 20 Stunden die Geburt dauerte. Die Stillhilfen, die ich bekam bestanden aus Handlungen indem man ihr Gesicht an die Brust drückte und Aussagen wie: „Sie hat einen hohen Bedarf, weil sie so schwer ist. Ihre Milch reicht nicht, Sie sollten zufüttern.“

Ich wollte nicht zufüttern, mein Bauchgefühl war so sehr dagegen. Die Problematik der entstehenden Saugverwirrung kannte ich zudem. Auch wenn es im Krankenhaus bei uns stark verharmlost wurde, aber Zufüttern mit der Flasche fördert nicht unbedingt die Stillbeziehung. Es gibt andere Zufüttermethoden, die deutlich besser geeignet sind um ein späteres Stillen weiterhin gut möglich zu machen. Aber die Zeit hat dafür eben selten jemand im Krankenhaus.
In der zweiten schlaflosen Schreinacht in Folge (geschlafen hat sie nur auf mir. Doch dann schlief ich eben nicht, da ich Angst hatte, sie würde aus dem Krankenhausbett stürzen.) brach ich dann ein. Ich konnte einfach nicht mehr. Die Nachtschwester brachte mir Premilch in der Flasche und puckte Thordis in ein Handtuch. Daraufhin konnten wir beide endlich mal 3 Stunden am Stück schlafen.
Leider fielen wir mit der Premilch dann direkt in einen Kreislauf, denn Thordis verweigerte nun auch meistens die linke Brust. So viel zum Thema, eine Flasche macht schon keine Saugverwirrung.

Nach Hause und in die Hebammenbetreuung konnten wir nicht. Der Kinderarzt im Urlaub, der Ausweicharzt im Urlaub. Niemand war da, der die U2 abnehmen konnte. Hier hatten wir dann wirklich Glück, dass plötzlich die Coronamaßnahmen verschärft wurden und unser U2-Termin vorverlegt wurde. So ging es dann Samstags nach Hause. Einen Tag eher als gedacht. Nach Hause mit dem Ziel, in bekannter Umgebung noch einmal neu zu starten.

Fortsetzung folgt.



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